Veröffentlicht in

Linear Advance & Pressure Advance: Perfekt scharfe Ecken beim 3D-Druck

Linear Advance (Marlin) bzw. Pressure Advance (Klipper) ist ein hochentwickeltes Firmware-Feature im 3D-Druck. Es kompensiert den physikalischen Druckaufbau und das elastische Verhalten des Filaments im Hotend während Beschleunigungs- und Bremsphasen des Druckkopfs.

Das physikalische Problem bei schnellem Druck

Filament verhält sich im geschmolzenen Zustand im Hotend ein wenig wie eine elastische Feder. Wenn der Druckkopf auf eine gerade Strecke beschleunigt, baut der Extruder Druck auf. Wenn der Kopf vor einer scharfen 90-Grad-Ecke abbremst, drückt dieser angestaute Restdruck weiterhin Material aus der Düse, obwohl der Motor schon langsamer dreht. Das Ergebnis: Die Ecken des Bauteils quellen unschön auf (Blobs) und die Linienenden werden unsauber.

Wie löst die Firmware das Problem?

Linear/Pressure Advance berechnet den optimalen Materialfluss vorausschauend. Wenn der Druckkopf abbremst, stoppt der Extruder-Motor die Förderung schon einen winzigen Bruchteil früher oder zieht das Filament sogar minimal zurück, um den Druck in der Düse exakt im Scheitelpunkt der Ecke abzubauen. Beschleunigt der Kopf danach wieder, spritzt der Motor blitzschnell etwas extra Material ein. Ecken werden dadurch perfekt scharf, Kanten extrem präzise und die Gesamtqualität bei hohen Geschwindigkeiten steigt massiv.

Unterschiedliche K-Werte je nach Filament

Dieses Feature arbeitet mit einem sogenannten **K-Faktor** (bzw. Advance-Wert), der über einen kurzen Testdruck kalibriert werden muss. Da jedes Material eine andere Elastizität besitzt, benötigt auch jedes Filament seinen eigenen Wert:

  • Das feste und unkomplizierte PLA Filament benötigt meist einen relativ niedrigen K-Wert, da es sich kaum komprimieren lässt.
  • Das zähere und klebrigere PETG Filament erfordert einen höheren Wert, um das trägere Nachfliessen in den Griff zu bekommen.
  • Bowden- vs. Direct-Drive: Drucker mit einem langen Bowden-Schlauch haben konstruktionsbedingt viel mehr elastisches Spiel und brauchen drastisch höhere Advance-Werte als kompakte Direct-Drive-Drucker.

Fazit: Wer das Maximum an Masshaltigkeit aus seinen Ausdrucken herausholen will, kommt um die Kalibrierung von Linear/Pressure Advance nicht herum. Es ist die perfekte Software-Ergänzung zu hochwertigen mechanischen Upgrades und sorgt für absolute Profi-Ergebnisse.